Jedes Jahr erscheinen Dutzende Branchenberichte. Die meisten Kleinunternehmer lesen die Zusammenfassung und glauben den Schlussfolgerungen. Journalisten tun das nicht.
Interview mit Wirtschaftsjournalist Florian Meetz
Was ist das häufigste Problem bei Branchenberichten?
Florian Meetz: Die Auftraggeber. Wer einen Bericht finanziert, beeinflusst, welche Fragen gestellt werden. Das ist keine Verschwörung, das ist Realität. Finanzberichte von Verbänden zeigen fast immer ein günstigeres Bild der Branche als unabhängige Analysen.
Wie erkennt man, ob ein Bericht zuverlässig ist?
Meetz: Schauen Sie auf die Methodik. Wie viele Unternehmen wurden befragt? Welche Größenklassen? Ein Bericht, der auf 80 Befragungen basiert, sagt wenig über eine Branche mit 12.000 Betrieben.
Was sollte ein Kleinunternehmer konkret tun?
Meetz: Vergleichen Sie mindestens zwei Berichte zum selben Thema aus unterschiedlichen Quellen. Wenn beide dieselben Zahlen nennen, prüfen Sie, ob sie voneinander abgeschrieben haben. Das passiert öfter als man denkt.
Woran man die Qualität eines Berichts erkennt
- Transparente Methodik mit Stichprobengröße
- Unabhängiger Auftraggeber oder klare Offenlegung
- Verweise auf Primärquellen, nicht nur auf andere Studien
Meetz: Ein guter Bericht stellt auch Fragen, auf die er keine Antwort hat. Das ist ein Zeichen von Seriosität.