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Journalistische Texte verstehen, redigieren und verbessern

Was passiert, wenn man journalistische Texte ohne Briefing redigiert?
Redaktion & Journalismus

Was passiert, wenn man journalistische Texte ohne Briefing redigiert?

Selbstversuch einer Lektorin mit 19 Auftraegen und unerwarteten Ergebnissen

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Das Redigieren ohne Briefing ist ein unterschätztes Risiko.

Lektorin Vera Ostwald hat drei Monate lang journalistische Texte zu Finanzberichten redigiert, ohne vorher mit den Auftraggebern zu sprechen. Das Ergebnis war ernüchternd: In 14 von 19 Fällen musste sie Korrekturen nachliefern, weil Tonalität oder Zielgruppe nicht stimmten.

Was hat der Versuch konkret gezeigt?

Vera, du hast bewusst auf Vorgespräche verzichtet. Warum?

Ich wollte wissen, ob ein erfahrener Blick ausreicht. Bei allgemeinen Texten funktioniert das oft. Bei Finanzberichten aber nicht, weil Fachbegriffe je nach Publikation unterschiedlich erklärt oder vorausgesetzt werden.

Welche Fehler haben sich wiederholt?

Dreimal habe ich Passagen gekürzt, die der Redakteur bewusst lang gelassen hatte, um Regulierungsbehörden zu adressieren. Das war mir ohne Kontext nicht erkennbar.

Der entscheidende Lernpunkt war nicht die Technik, sondern das fehlende Kontextwissen. Redigieren ist kein rein sprachlicher Prozess, besonders nicht bei Finanzberichten, die mehrere Lesergruppen gleichzeitig ansprechen.

Was empfiehlst du Freelancern konkret?

Ein kurzes Formular mit fünf Fragen vor jedem Auftrag. Zielgruppe, Tonalität, Fachtiefe, Pflichtbegriffe, Tabuzonen. Das dauert zehn Minuten und spart Stunden an Korrekturen.

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