Ein gutes Hintergrundgespräch liefert Informationen, die keine Umfrage und kein Finanzbericht zeigt. Journalisten wissen, wie man Gesprächspartner dazu bringt, offen zu reden.
Gespräch mit Investigativjournalistin Nadja Wörle
Was unterscheidet ein journalistisches Gespräch von einem Kundengespräch?
Nadja Wörle: Der Journalist hört mehr zu als er fragt. Die meisten Unternehmer gehen in Gespräche mit einer Agenda. Das merkt der andere und schließt sich ab. Wer schweigt und wartet, bekommt oft die wichtigste Information ohne nachzufragen.
Gibt es eine konkrete Technik?
Wörle: Die Pause. Wenn jemand geantwortet hat, warten Sie fünf Sekunden, bevor Sie sprechen. Menschen füllen Stille mit dem, was sie eigentlich nicht sagen wollten. Das klingt simpel, wirkt aber zuverlässig.
Wie bereiten Sie sich auf solche Gespräche vor?
Wörle: Ich lese vorher Finanzberichte, Pressemitteilungen und LinkedIn-Profile. Wenn ich weiß, dass ein Unternehmen gerade Stellen abbaut, frage ich nach Zukunftsplänen, nicht nach Problemen. Die Antwort zeigt mir, ob mein Gesprächspartner ehrlich ist.
Vorbereitung in drei Schritten
- Öffentlich verfügbare Informationen vorab sichten
- Zwei bis drei offene Fragen vorbereiten
- Pausen bewusst einsetzen
Wörle betont: Vertrauen entsteht durch Zuhören, nicht durch Reden.