KI beim Redigieren klingt praktisch, bis man es wirklich ausprobiert.
Dagmar Soltau redigiert seit neun Jahren journalistische Texte fuer Wirtschaftsmagazine. Vor vier Monaten begann sie systematisch, ein KI-Schreibwerkzeug in ihren Workflow einzubauen, speziell fuer Texte rund um Finanzberichte und Quartalszahlen. Was sie herausfand, war differenzierter als erwartet.
Wo hat das Tool geholfen?
Dagmar, was hat die KI gut gemacht?
Konsistenzpruefung. Wenn ein Finanzbericht auf Seite drei von Nettomarge spricht und auf Seite acht von Gewinnmarge, ohne zu erklaeren warum, dann findet das Tool solche Bruche zuverlaessig. Das spart mir Zeit bei langen Texten.
Und wo war es ein Problem?
Bei Tonalitaet. Die KI glaettet Saetze, die bewusst rau formuliert sind. In investigativen Stuecken zu Finanzberichten kann ein kantiger Satz Absicht sein. Das erkennt das Tool nicht.
Darum hat Dagmar eine feste Regel eingefuehrt: KI-Vorschlaege werden nur fuer strukturelle und grammatische Fragen uebernommen. Alle stilistischen Eingriffe prueft sie manuell.
Was bedeutet das fuer Freelancer?
KI ist kein Ersatz fuer redaktionelles Urteil. Sie ist ein Hilfsmittel fuer Routineaufgaben. Wer das verwechselt, liefert Texte ab, die technisch sauber, aber journalistisch flach sind.
Das ist besonders bei Finanzberichten ein Risiko, weil die Leser oft selbst Experten sind und Vereinfachungen sofort bemerken.