Es gibt keinen objektiven Schnitt zwischen Korrektorat und Umschreiben.
Redakteur Nils Fehrenberg arbeitet seit Jahren freiberuflich fuer Wirtschaftsmedien. Er redigiert regelmaessig Finanzberichte und Analysetexte fuer kleine Verlage, die kein festes Lektorat beschaeftigen. Sein Erfahrungswert: Der groesste Konflikt entsteht nicht durch Fehler, sondern durch unterschiedliche Vorstellungen davon, was Redigieren bedeutet.
Wo zieht du die Grenze?
Ich korrigiere Sprache, Logik und Struktur. Aber ich schreibe keinen Satz um, der inhaltlich korrekt ist, nur weil ich ihn anders formulieren wuerde. Das ist eine Frage der Berufsethik.
Wie gehst du mit Finanzberichten um?
Finanzberichte sind heikel. Zahlen darf ich nicht anfassen, das ist klar. Aber auch die Einbettung von Zahlen in Kontext ist oft absichtlich so formuliert, wie sie ist. Da muss ich nachfragen, bevor ich etwas glaette.
Nils hat ein einfaches System entwickelt: Er markiert alle Eingriffe in drei Kategorien, Sprache, Struktur, Inhalt, und schickt dem Auftraggeber eine kurze Erklaerung fuer jede Inhaltsentscheidung. Das hat Rueckfragen um mehr als die Haelfte reduziert.
Was raetest du Freelancern am Anfang?
Klaere schriftlich, was dein Auftrag umfasst. Nicht aus Misstrauen, sondern weil Missverstaendnisse beim Redigieren teuer werden, fuer beide Seiten.